Gedanken über Dies und Das...

Ich bin hin und her gerissen, ob ich schon einen neuen Blog Eintrag schreiben soll. Ob schon genug passiert ist, über das ich schreiben kann. Da ich noch nicht arbeite und am Freitag erst meine erste Spanischstunde hatte gibt es nicht viel aufregendes zu berichten. Aber heute hab ich endlich mal ein paar Fotos von einem Teil der Stadt gemacht, die ich gerne teilen würde. Die Fotos sind in Los Pinos entstanden. Das ist das Viertel in dem Muriel und Margaux wohnen. Die beiden machen gerade einen Schüleraustausch hier in Chimbote, sind aber schon seit August da. Los Pinos ist in dem alten Teil von Chimbote, während ich in Nuevo Chimbote wohne. Nuevo Chimbote ist ein Teil der Stadt, der einmal von einem Erdbeben zerstört wurde und somit neu aufgebaut werden musste. Der Erdbeben hat auch einen Großteil der Industrie zerstört und eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Deswegen gilt Chimbote angeblich selbst für peruanische Standards als arme Stadt. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich davon noch nicht viel mitbekommen habe.
Hier sind Collectivos übrigens ganz normale Autos. Am Anfang dachte ich es sind Taxis und habe mich erstens gewundert, warum wir immer mit dem Taxi fahren und zweitens warum es so billig ist. Aber es sind keine Taxis sondern eben Collectivos.

Gestern (am 19.02.2016) hatte meine Mama Geburtstag. Schon am Morgen wurde das Haus auf Vordermann gebracht und zum Mittagessen kamen dann einige Familienmitglieder, die ich alle noch nicht kannte. Da die Familie meiner Mutter in Lima lebt, kam glaube ich nur Familie väterlicherseits, aber so ganz bin ich durch die Familienverhältnisse nicht durchgestiegen. Zum Mittagessen gab es Ceviche, ein traditionelles peruanisches Gericht aus Fisch und Zwiebeln. Der Fisch wird „von der Zitrone gegart“, ist aber eigentlich roh. Im Gegensatz zu meiner Familie haben die Patenonkel und Patentante meines Bruder ein Auto, sogar mit Fahrer. Er durfte nicht mit bei uns am Tisch essen. Das hat mich ziemlich gestört.

Viele fragen immer wie es mit meinem Spanisch läuft. Das kann ich schwer sagen. Ich habe das Gefühl sehr wenig gelernt zu haben, weil ich noch nicht flüssig sprechen kann, aber dann merke ich auch immer wieder wie ich schon viel mehr verstehe und mich besser verständigen kann. Am Freitag hatte ich auch endlich das erste Mal Spanischunterricht. Es ist oft schwierig die Leute zu verstehen, weil sie so schnell sprechen und alle Wörter plötzlich ineinander übergehen. Heute war ich zum Beispiel alleine in einem Collectivo und wollte das erste mal alleine nach Los Pinos fahren. Der Fahrer hat mich etwas gefragt, was ich als „Welcher Teil von Los Pinos?“ interpretiert habe. Ich meinte „Parque de la amistat“ und er wiederholte etwas was sich nach „Pardeamista“ anhörte. Ich hab einfach zugestimmt und gehofft am richtigen Ort anzukommen. Alles ist gut gegangen.

Ich habe hier erst eine Person rauchen sehen. Und fünf Menschen auf einem Fahrrad. Davon waren aber 3 kleine Kinder die in einem Park gespielt haben. Ich hatte ja mal die utopische Vorstellung mir hier ein Fahrrad zuzulegen aber ich glaube bei dem Verkehr ist es besser, wenn ich das lasse. Zusätzlich sind die Strecken schon ganz schön weit und das Wetter ganz schön heiß fürs Fahrrad fahren.

Im peruanischen Fernsehen gibt es überdimensional viel Werbung für Babymilch und Universitäten. Außerdem gibt es im April hier Wahlen für einen neuen Präsidenten und das Thema dominiert fast alle Nachrichten im Fernsehen. In der peruanischen Werbung sind fast nur weiße Menschen zu sehen. Auch viele Nachrichtensprecher und andere TV-Persönlichkeiten sehen sehr europäisch für peruanische Standards aus. Jemanden wie meine Mutter hab ich noch fast nie im Fernsehen gesehen...

Was mich hier immer wieder überrascht ist die Normalität, die das Ganze für mich hat. Es ist sehr schwierig das zu beschreiben. Zuhause, die Berglehne und der Fuchsbau ist ganz schön weit weg. Ich meine nicht nur von der Entfernung sondern auch von meinem Gefühl her. Und es fühlt sich ganz normal und natürlich an, dass ich hier aufwache und Brötchen mit Marmelade esse und in der Hängematte lese und Musik höre und manchmal mit dem „P“ Collectivo in die Stadt fahre. Natürlich ist hier alles neu aber es fühlt sich nicht wirklich so an. Oder zu mindestens fühlt es sich nicht wirklich fremd an. Ich denke, dass ist ein gutes Zeichen.