...

Ich saß gerade wieder einmal oben auf dem Dach, während die Sonne unterging. Es ist die perfekte Zeit dort oben zu lesen oder auch einfach dem entfernten Hupen und Treiben des Verkehrs zuzuhören. Es ist nicht mehr unerträglich heiß, noch nicht dunkel und der Himmel verzaubert sich in wunderschöne Farben. Der Wind weht einem um die Ohren und es ist einfach wunderbar. An diesem Ort saß ich am ersten Abend in Chimbote und dachte mir: „Ja, hier kann ich glücklich werden“. Eines Tages bin ich auf dem Dach aufgetaucht und habe an dem Ort, wo ich meinen kleinen Plasikhocker immer aufstelle, einen alten, sehr schönen Korbsessel gefunden. Den haben meine Eltern dort still für mich aufgestellt und ihn später meinen „Thron“ getauft.

Ich dachte jetzt wäre ein guter Moment noch einmal einen Eintrag zu schreiben: 1. um von ein paar Veränderung der letzten Zeit zu erzählen und 2. weil sich mein Leben und meine Routine hier morgen sehr verändern wird. Aber erst einmal etwas zu letzter Zeit.

Vor ein paar Wochen gab es bei mir eine große Veränderung: Muriel ist bei uns eingezogen. Sie hatte schon länger Probleme mit ihrer Familie und meine Mutter hat ihr angeboten zu uns zu ziehen. Meine Familie ist hier bei AFS so ziemlich als die ideale Familie bekannt und hat schon oft „Problemfälle“ aus anderen Familie aufgenommen. Nun besteht mein Zimmer zu ungefähr 90% aus Bett. Das ganze ist vor allem für mein Spanisch ziemlich problematisch. Es ist einfach etwas anderes wenn man immer jemanden zum Übersetzten hat. Außerdem antwortet nun Muriel 90% der Fragen, die an uns gerichtet werden, was es für mich sehr schwer macht mein Spanisch zu üben. Es hat auch die Dynamik zwischen mir und meiner Familie verändert, da wir jetzt immer die „zwei Mädchen“ sind und ich nicht einfach nur „Emilia“. Letzten Samstag gab es dann das erste Mal ein bisschen Drama. Ich hab in letzter Zeit viel mit Zoraida gemacht, da wir uns sehr gut verstehen. Außerdem war es gut ein bisschen Abstand zu bekommen, um nicht immer alles mit Muriel machen zu müssen. Deswegen hat sich Muriel etwas ausgeschlossen gefühlt, weil sie auch schon das halbe Jahr bevor ich hier war Schwierigkeiten hatte Anschluss gefunden hat. Aber das Ganze hat dazu geführt, dass wir uns das erste Mal richtig ehrlich über die Situation und ihre Probleme unterhalten haben. Ich denke wir schaffen das ganz gut zusammen, ohne große Zickenkriegen.

Ansonsten haben ich, wie gesagt, viel mit Zoraida und ihren Freunden unternommen. Am Freitag waren wir mit der „AFS-Crew“ aus: Zoraida; eine Volentario von AFS, Gabi; ihre bester Freunden, ehemalige Volentario und Gastschwester von Margaux, Margaux; ein belgisches Mädchen, dass hier zur Uni geht und Chicho; ehemaliger Präsident des Local Chapters hier, der jetzt aber in Cajamarca wohnt. Wir waren in einer Bar und dann lange am Meer. Am Ende des Abends waren wir nach peruanischer Tradition eine Hühnersuppe essen.

Und nun zu Morgen: Morgen habe ich endlich meinen ersten Arbeitstag. Ich werde um 8 Uhr mit meiner blauen Uniform im Maternidad de Maria auftauchen und mir das Ganze mal angucken. Dann arbeite ich erst mal Montags bis Freitags von 8 – 4 Uhr, und wenn ich daran Spaß habe vielleicht auch Samstags noch ein paar Stunden. Die Arbeit wird mein Leben hier jetzt erst mal dominieren, und bestimmt auch den nächsten Eintrag...