Regen - 29.8.2011

Ja also was soll ich sagen; Heute hat es in erster Linie geregnet. Heute Morgen bin ich mit meiner Mutter Frühstück kaufen gegangen. Es war das erste Mal, dass wir die 500 Meter nicht mit dem Motorrad, sondern zu Fuß zurückgelegt haben. Und ich muss sagen, auf halber Strecke war ich doch tatsächlich außer Puste. Das liegt aber wahrscheinlich vor allem daran, dass wir durch knietiefes Wasser waten mussten und die Strasse noch dazu eine „starke Strömung" hatte. Am schlimmsten waren die vereinzelten Pick-Ups, die durchs Wasser gepflügt sind. Denn diese haben Wellen erzeugt, die mir bis zur Hüfte gingen, und beim ersten Mal war ich so unvorbereitet, dass ich fast umgefallen wäre und daraufhin meinen rechten FlipFlop in den Fluten verloren habe. Heute hat meine Mutter dann mal wieder ihren Rekord gebrochen – wir waren eine Stunde und 24 Minuten zu spät. Aber gesperrte Strassen und Überschwemmungen sind dann sogar für die frustriertesten, alten, strengen Thai-Lehrer mit ihren Schlagstöcken eine passable Entschuldigung.
Ansonsten ist mir gerade aufgefallen, dass ich seit über einer Woche kein Tagebuch mehr geschrieben habe, und ich habe mich gefragt, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist – gut, weil ich so viel Aufregendes erlebt habe, dass ich keine Zeit hatte, alles aufzuschreiben, oder schlecht, weil ich einfach überhaupt nichts Nennenswertes gemacht habe. Zum Glück bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass Ersteres der Fall ist, und es ist wirklich schwer, die ganze letzte Woche und zwei Wochenenden zusammenzufassen.
Das letzte Ferienwochenende habe ich im English Camp verbracht und es war total schön. Anfangs habe ich mir Sorgen gemacht, weil ich zwar mit meinen Freunden aus der Schule dort war, aber sozusagen als Lehrer gearbeitet habe und das zunächst schwer miteinander zu vereinbaren schien, aber nach dem ersten Nachmittag hat sich auch das gefunden und es war ein rundum lustiges Wochenende. Es war schön, ein paar der Schüler mal näher kennenzulernen – vor allem auch Schüler aus höheren Klassen, die sonst sehr mit Lernen beschäftigt sind. Neben mehreren Englischlehrern aus der Schule waren noch zwei „Fallangs“ da. Dave ist aus England, lebt seit einem Jahr in Pattaya und unterrichtet in einer öffentlichen Schule hier in Sriracha. Und Will ist ein junger Lehrer von unserer Partnerschule in Neuseeland, der extra für das Camp nach Thailand geflogen ist. Das Programm war liebevoll zusammengestellt und alle Spiele waren wirklich lustig. Am Sonntag Abend bin ich dann noch mit dem Team an den Strand in Bang Sean zum Essen gefahren, und auch das war schön, auch wenn ich nach den drei Tagen nicht nur durch Schlafmangel, sondern auch aufgrund der ständig geforderten guten Laune und Energie enorm übermüdet war.

Letzte Woche ist dann alles soweit seinen „gewohnten Gang" gegangen. Am Montag war ich das erste Mal alleine mit meinen Freunden unterwegs, was enorm gut getan hat. Wir sind nach der Schule mit dem Tuk Tuk in die Mall gefahren, haben Kaffee getrunken, waren im Kino und haben dann Pizza gegessen. Meine Advisorin und ich mussten meiner Mutter zwar erzählen, dass meine Advisorin die ganze Zeit dabei war, aber sie hat mich in Wirklichkeit lediglich um 8 abgeholt und zurück in die Schule gefahren, weil meine Mutter dort eine Vorstandssitzung hatte.
Leider ist die eingeschränkte Freiheit der Schüler in Thailand in meiner Familie noch mehr eingeschränkt, weil mein Vater ein Polizist ist und er damit jeden Tag mit den extremsten, schlimmsten Dingen konfontiert wird, die passieren können. Meine Schwester hat mit gestern erklärt, dass ich nicht alleine rausgehen darf, weil mich beispielsweise in der shopping mall jemand mit dem Messer umbringen könnte. Sie ist 12 und glaubt wirklich daran. Manchmal ist das wirklich frustrierend. Vor allem, weil ich mit allen Mitteln versuche, so viel wie möglich aus diesem Jahr zu machen – so viele Menschen und neue Orte kennen zu lernen wie nur irgend möglich und eben so viele verschiedene Dinge zu erleben wie in dieses eine Jahr passen. Aber zum Glück ist zumindest meine Advisorin manchmal etwas gelassener. Deshalb hat sie meiner Mutter erklärt, dass ich über das Wochenende bei ihr bleiben würde, und ich durfte am Freitag gleich wieder alleine los. Nach der Schule habe ich mit ein paar Freunden in der Mall Besorgungen gemacht. Anschließend bin ich mit dem Motorbike-Taxi in das Appartment von meiner Advisorin zum Duschen gefahren. Gegen 8 hat sie mich dann abgeholt, und wir sind nach Pattaya gefahren, wo wir Pii Porsche (den Organisator von den English Camps) zusammen mit dem Team für das English Camp am nächsten Tag zum Essen getroffen haben.
Es war ein lustiger Abend. Nachdem wir ins Hotel eingecheckt haben, sind wir noch alle zusammen an den Strand und haben unser extrem süßes, thailändisches Bier mit den Moskitos geteilt.
Am nächsten Morgen ist Kruu Tip (meine Advisorin) schon um 6 wieder zurück nach Sriracha zu einem Meeting in die Schule gefahren, während ich mit den anderen in eine Schule in Pattaya gegangen bin. Es waren insgesamt 150 Schüler, und das Camp war erneut ein voller Erfolg. Die Schüler haben es geliebt und wir „Fallangs“ haben geduldig auf jedem Poesiealbum unterschrieben und in alle Handycameras gelacht. Nach dem Camp sind wir dann nach Sriracha in den Massage Shop von Kruu Tip gefahren. Nach der anstrengenden Schulwoche und wie immer nach zu wenig Schlaf hätte ich gerne eine Massage bekommen, aber die drei anderen „Fallangs“ waren noch nie dort und deshalb wurde ihnen der Vortritt gelassen (es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde „ich habe ihnen den Vortritt gelassen“)...
Ich bin dafür mit dem Motorbike-Taxi in die Mall, habe Kaffee getrunken und war dann so gelangweilt, dass ich mir eine Zeitschrift gekauft habe, in der ich kein einziges Wort lesen und nur die Bilder bestaunen konnte. Wieder zurück im Massage Shop wurde beschlossen, Pizza zu bestellen. Nachdem wir fertig gegessen hatten, hat Kruu Tip dann verkündet, dass wir jetzt ins Restaurant fahren. Wir haben alle gedacht, wir hätten uns verhört, aber wir sind dann tatsächlich in ein Restaurant zum Abendessen gefahren. Die Pizza sei nur die Vorspeise gewesen, meinten alle beteiligten Thais.
Daraufhin folgte die absolut sinnloseste Aktion überhaupt. Wir sind wieder nach Pattaya gefahren, nur um dort um 22:30 im Hotel einzuchecken, dann festzustellen, dass wir alle zu müde sind, um noch in die sogenannte „Walking Street“ zum „Feiern“ zu gehen und dann am nächsten morgen um 5:30 wieder nach Sriracha zu fahren. Ich dachte echt, ich drehe durch, und es hat vor allem mit meinem Schlafmangel enorme Geduld gekostet, nicht irgendjemanden anzuschreien. Gestern bin ich dann gleich um 8 mit meiner Family nach Bangkok gefahren. PaoPao und ich haben den ganzen Tag im Buchladen verbracht, während meine Mutter und PanPan Unterricht hatten.
Abends waren wir dann in einem sehr schönen Restaurant direkt am Fluss, und heute – naja, heute regnet es wie gesagt :D.