Ein neues Zuhause - Januar 2012

Also die Thailänder haben mich noch nicht gefressen. Ich hatte nur in den letzten zwei Monaten alle Hände voll zu tun damit, der Zeit, dem Alltag und vor allem mir selbst hinterher zu rennen und deshalb leider keine Zeit, meine Gedanken zu meinem neuen Leben hier zu Papier bzw. zu Computer zu bringen...
Es kommt mir vor, als wäre ich erst gestern hier in Thung Song angekommen und gleichzeitig fühlt sich das Leben hier auf eine bestimmte Art und Weise so richtig an, als hätte ich nie etwas anderes gekannt.
Der ruhige Alltag hier auf dem Land und meine tolle Familie haben meine anfängliche Heimweh-Welle schon nach wenigen Wochen zunichte gemacht und seitdem lasse ich ich einfach treiben und genieße jeden Tag.

Das sieht dann in etwa so aus:
Morgens um 6 sieht man die kleine Paula schlaftrunken und im Schlafanzug in ihren pinken Plastik-Flip-Flops über den Hof zum Haus ihrer Tante laufen. Dort gibt es dann Suppe, Reis, Gemüse und meistens Hühnchen. In der Schule habe ich in letzter Zeit immer mehr die Rolle eines Lehrers übernommen und unterrichte jetzt sogar meine eigene Klasse. Das ist in jeder Hinsicht eine spannende Erfahrung für mich, nur ist der Beruf des Englisch-Lehrers in Thailand kein Zuckerschlecken, wenn teilweise wirklich 18-Jährige Schüler vor einem sitzen und man feststellt, dass sie kein einziges Wort Englisch verstehen und es einfach im thailändischen Schulsystem problemlos geschafft haben, sich durch zehn Jahr Englisch Unterricht zu schummeln...
Nachmittags freue ich mich schon auf dem Nachhauseweg immer auf meine kleinen, süßen Nachbarn. In unserer Straße wohnen sieben Kinder im Alter zwischen drei und zehn und vor allem jetzt, wo ich mich schon einigermaßen mit ihnen auf Thai unterhalten kann, ist es einfach so toll, nach der Schule einfach alles in die Ecke zu schmeißen und mit der kleinen, sorglosen Truppe im Garten spielen zu können. Außerdem haben unsere drei Hunde (also technisch gesehen natürlich nur zwei, aber ich kann sie weder auseinander halten, noch sie geschlechtlich voneinander unterscheiden) gerade unglaublich niedlichen Nachwuchs bekommen und Bibo, unser kleiner Welpe ist jetzt sozusagen das neueste Mitglied unser Bande :D.
Ansonsten sind vor allem meine beiden Cousinen Niece (18) und Mai (16) zu meinen engsten Freunden geworden. Nach der Schule fahren wir oft noch zusammen in den Sportpark oder einfach durch die Stadt, bis wir irgendwo an der Strasse an einem Stand Abend essen. Außerdem habe ich einige Klassenausflüge mit der Klasse meiner kleinen Schwester gemacht, und einmal hat meine Tante mich und meine Cousinen mit in die Stadt genommen, wo meine italienische Freundin, die dort zur Schule geht, und ich uns wirklich einen ganzen Tag lang ins Kaffee gesetzt und nur geredet haben.
Dieser Ausflug hat dann die darauf folgende Woche jedoch leider ein wenig Frustration ausgelöst, da mir mein Vater daraufhin gesagt hat, er würde es nicht gerne sehen, wenn ich etwas mit meinen Cousinen unternehme. Zum Glück konnte ich das Ganze bald mit meiner wunderbaren Advisorin klären, die mich ein wenig in das Familiendrama eingeweiht hat, in das ich da hineingeraten bin. In der Kurzfassung ist es wohl so, dass meine Großmutter ganz untraditioneller Weise insgesamt vier verschiedene Ehemänner hatte und meine Mutter und meine diversen Tanten deshalb nur Halbschwestern sind und sich diese Halbschwestern wohl immer mal wieder leicht bekriegen und ihre Kinder dann als Spielbälle benutzen. Naja, das ganze hat mich zu Anfang ziemlich fertig gemacht, weil mit mir natürlich nicht offen darüber geredet wurde, aber wie gesagt hat mir meine Advisorin sehr geholfen. Das Ganze ist dann nochmal leicht aufgekocht, als ich heftig krank geworden bin und mein Vater meiner Cousine die Schuld daran gegebne hat, weil sie mich den vorherigen Tag bei leichtem Regen auf dem Motorrad nach Hause gefahren hat... Aber inzwischen hat sich das Ganze wieder beruhigt und alles geht wieder seinen "gewohnten Gang" (so gewohnt, wie man innerhalb von zwei Monaten eben gehen kann :D )