Koh Lipe: Wie im Himmel - 8.03.2012

Nach dem AFS Camp in Chiang Mai bin ich mit Giorgia, einer Austauschschülerin aus Rom, mit zu ihr nach Hause gefahren. Sie wohnt in Khon Kaen (eine der größten Städte im Nord-Osten Thailands), und dort haben wir dann knapp eine Woche zusammen in ihrer Gastfamilie gewohnt und waren beide heilfroh, nach der intensiven Woche in Chiang Mai mit all den tollen Leuten nicht gleich wieder komplett alleine dastehen zu müssen.
Freitag Nacht um 23:00 ging dann unser Bus nach Bangkok. Dort landeten wir dann morgens um halb 5 an der Bushaltestelle und haben ein Taxi in die Stadt genommen. Den Tag haben wir wieder mit all den Bangkok-Leuten verbracht, und nach einer Nacht in einem kleinen Gästehaus haben Giorgia und ich uns dann am Sonntag Vormittag auf den Weg zum Bahnhof gemacht.
Als wir den netten Herren am Schalter jedoch erklärten, dass wir gerne Tickets für den Nachtzug nach Thung Song kaufen würden und ihre Frage "Wann denn?" mit "Ähm, heute Abend, wenn’s geht?!" beantworteten, haben sie uns leicht mitleidig angelächelt und uns freundlichst den Weg zur Touristen Information gezeigt. Daraufhin haben wir fast vier Stunden am Bahnhof nach geeigneten Tickets gesucht. Da Erste-Klasse-Tickets für fast 30 Euro leider nicht ganz in unser Budget gepasst haben, haben wir uns schließlich dafür entschieden, noch eine Nacht länger in Bangkok zu bleiben und dann am nächsten Abend Zweite-Klasse-Tickets zu nehmen, nicht, wie gewünscht mit Liegen, sondern mit Sitzen, aber zumindest mit Klimaanlage. Auf dem Weg zum Bahnhof am nächsten Abend haben wir dann beiden kurz einen kleinen Schock erlitten, als wir auf dem Highway durch das nächtliche Bangkok fuhren und uns plötzlich von überallher Pfeile und Schilder in Richtung Flughafen wie Alarmleuchten entgegen blitzten. Und dann mussten wir uns kurz bei der Hand nehmen und beide realisieren, dass in nur zwei Monaten genau dieser Moment unser Letzter in Thailand sein wird... Das war kein schönes Gefühl.
Aber zum Glück sind wir ja nur zum Bahnhof gefahren. Nach 15 Stunden im Sitzen sind wir dann bei mir zu Hause angekommen. Meine Familie hat nicht nur mich wieder herzlichst begrüßt, sondern auch Giorgia gleich in ihre Mitte genommen. Nach ein paar Tagen sind wir dann jedoch schon wieder aufgebrochen und zwar gen Süden, sprich Strand :D. Wir hatten das große Glück, dass meine Advsorin einige Lehrer auf den diversen Inseln kennt und wir deshalb sozusagen immer "VIP" und als Thais gereist sind. Noch auf dem Festland hat uns ein Lehrer in Empfang genommen und uns bis zum Speed Boat begleitet. Damit ging es dann fast 2 Stunden auf die Insel Koh Lipe. Wir wurden gleich erstmal von einem atemberaubenden Sonnenuntergang begrüßt.
Wohnen konnten wir bei einer Lehrerin, die gleich hinter der winzigen Schule in einem ebenfalls winzigen Holzhaus lebt. Geschlafen haben wir mit ihr zusammen auf dem Boden in dem kleinen Schlafzimmer. Dusche und Toilette gab es nicht – lediglich ein Plumpsklo und eine Regentonne voll mit eiskaltem Wasser und einer Schüssel zum überschütten. Und das war genau das Richtige. Wir brauchten ja nicht mehr und sie hat uns so selbstverständlich alles zur Verfügung gestellt, was sie besitzt, dass wir gar nicht anders konnten, als uns richtig wohl zu fühlen. Die Insel an sich ist schlicht wie im Himmel – ein einziges Paradies. Weiße Strände, Kristall klares Wasser, Palmen... Was will man mehr? Am schönsten war es jedoch, sich nicht als Tourist fühlen zu müssen. Am Ende unserer fünf Tage kannte uns glaube ich wirklich fast die ganze Insel:“ Die seltsamen beiden Mädchen, die unsere Sprache sprechen“... Und noch viel köstlicher war es, zu sehen, wie Touristen sich ganz besonders thailändisch gefühlt haben, wenn sie mit ernster Miene, nach dem Motto „wir respektieren die Kultur und wissen ganz genau Bescheid“ teilweise wirklich ihre Schuhe vor dem Supermarkt ausgezogen haben oder sich vor kleinen Kindern verneigt haben - und das Ganze natürlich im Bikini und mit Zigarette im Mund...