Muttertag - 15.8.2011

Dieses Wochenende kam mir unglaublich lang vor. Ich habe so viel erlebt und so viele emotionale Hochs und Tiefs gehabt wie nie zuvor in nur drei Tagen. Am Freitag war Muttertag. Am Donnerstag wurde deshalb in der Schule eine riesige Zeremonie veranstaltet. Ungefähr 50 Mütter wurden dazu eingeladen und saßen auf der Bühne, während zunächst der Geburtstag der Königin gefeiert wurde. Anschließend durften die Söhne und Töchter den Müttern Blumen überreichen. Es war anfangs ein sehr seltsames Gefühl, vor meiner Mutter auf die Knie zu gehen und ihr den Kranz zu geben und es war alles so feierlich, dass ich ständig Angst hatte, irgendetwas falsch zu machen. Aber es war auch ein wunderschöner Moment. Fast alle Mütter (inklusive meiner Kun Mae) haben geweint und trotz der ganzen Regeln und Formen hat man überall so viel Liebe gespürt. Ich hätte auch fast geweint. Alles hat mir richtig das Gefühl gegeben, Teil der Familie zu sein und gleichzeitig musste ich an Mama denken und wie gerne ich ihr jetzt Danke sagen würde und sie umarmen würde.
Am Freitag war dann der eigentliche Feiertag für Muttertag. Ich fand es sehr schwer, ein Geschenk für Kun Mae zu kaufen, aber am Ende war ich dann doch ganz zufrieden, weil es ein sehr persönliches Geschenk war. Außerdem hat mir meine Mutter sowieso gesagt, dass sie keine Geschenke erwartet, weil sie den Sinn von Muttertag nicht verstünde, da für sie jeden Tag Muttertag sei, weil ihr ihre Kinder doch jeden Tag Liebe schenken würden. Ich habe ihr jedenfalls ein riesiges Paket von ihren Lieblingsnüssen geschenkt. Ich finde sie auch total lecker und seid ich sie probiert habe esse ich sie ihr ständig weg... Am Freitag Mittag hat PaoPao in der Mall bei einem Kunstwettbewerb mitgemacht und sogar gewonnen. Das Thema war Muttertag und sie ist von über 100 Schülern 3. geworden. Am Abend sind wir dann in die Nähe von Pattaya an den Strand in ein wunderschönes Restaurant gefahren, weil meine Mutter dort Freunde von sich getroffen hat. Es war ein richtig schöner Abend im Thai-Style - mit über 20 Leuten und bergeweise frischem Seafood an einem Tisch direkt am Meer, kitschiger Musik und lauer Abendluft.
Am Samstag kam dann mein Vater und wir sind morgens nach Bangkok zu den Eltern von Kun Poo gefahren. Erstmal war es natürlich alles wieder sehr fremd und ungewohnt. Aber meine Großeltern sind zwei so liebe und fröhliche Menschen. Sie wollten gleich ein Foto mit mir machen und haben sich dafür extra noch schnell frisch gemacht. Und zum ABschied hat mir meine Großmutter sogar noch 300 Baht geschenkt. Dazu hat sie gesagt: "I love PanPan, I love PaoPao and I love Polla, too!". Es war wieder einmal einer der schönsten Momente hier. Wir mussten allerdings schon nach zwei Stunden wieder aufbrechen, weil wir noch bis in den Isaan fahren mussten. Den restlichen Tag habe ich dementsprechend im Auto verbracht, was mir neuerdings allerdings nichts mehr ausmacht. Es war fast schon entspannend, hinten mit meinen Schwestern zu sitzen, iPad zu spielen und zu lachen. Nach ein paar Stunden hat sich PaoPao dann erst ganz vorsichtig und dann ganz entschieden auf meinem Schoß zusammengerollt und wir sind beide eingeschlafen. Auf dem Weg haben wir noch an einem sehr berühmten Tempel angehalten. Auffallend viele Menschen haben schlichtes Weiß getragen und meine Mutter hat mir erklärt, dass das die Menschen sind, die sich dem Buddhismus widmen, ohne Mönche zu sein. Sie essen nur einmal am Tag und dann auch nur Gemüse. Sie verzichten auf jeglichen Luxus sowie auf Sex. (Wie dieses Gebot allerdings mit all den Kindern in dem Kloster zu vereinbaren ist habe ich noch nicht ganz verstanden.)
Am Sonntag hat mir meine Mutter im Hotel morgens ein rotes T-Shirt aufs Bett gelegt. Das war das erste Mal, das ich ansatzweise mit Thailändischer Politik konfrontiert wurde. Sie hat einfach gesagt "Isaan likes red shirts." Nach de Frühstück sind wir in den Tempel gefahren und haben dort die ganze Familie von meiner Mutter getroffen. Einmal im Jahr kommt die ganze Familie zusammen, um den Toten ihren Respekt zu zeigen - in diesem Fall dem Vater meiner Mutter, der vor 11 Jahren gestorben ist. Die Zeremonie bestand wie immer größtenteils aus Essen. Zunächst haben die Mönche das gespendete Menü gegessen. Anschließend wurde gebetet. Die budhistische Schnur wurde um ein Portrait meines Großvaters gewickelt und alle Mönche haben wie immer daran festgehalten. Langsam haben sich sogar meine Knie und Beine an die Dauer des Gebets gewöhnt und sie schlafen jetzt einfach nur noch ein und stören mich nicht, solange ich mich nicht bewege. Es hat mich mal wieder selbst überrascht, wie schnell ich mich wohl gefühlt habe zwischen all den "fremden" Menschen und wie sehr ich es genossen habe, mit meinen ganzen Tanten und Cousinen und Großonkels auf dem Boden zu sitzen und zu essen und über Witze zu lachen, die ich noch nicht einmal verstanden habe.
Eigentlich wollten wir dann abends in Petburi in dem Hotel bei der Polizeistation von meinerm Vater übernachten. Aber meinem Vater ist eingefallen, dass er seine Uniform vergessen hat und deshalb sind wir dann doch noch den ganzen Weg bis nach Hause gefahren.
Heute ist mein Vater wieder zur Arbeit gefahren und nach einem wohltuenden Ausschlafen bin ich mit Kun Mae, PanPan und PaoPao in den Coffee Shop von Nüng (einer Freundin meiner Mutter) gefahren. Gerade waren wir dann mit der übrlichen Clique, also Nüng und Banni jeweils mit ihren Kindern (Pup, Faa und Pi Fug) in einer riesigen Mall in Chonburi. Wir waren Sushi essen und jetzt bin ich so voll wie noch nie und freue mich auf eine kalte Dusche und ein Bett, dass ich nicht mit meinem Wecker teilen muss, da wir ja Ferien haben.